Musikalische Schreibszenen – Zu einer Theorie der musikalischen Schrift

 26.–28. März 2020, Institut für Musikwissenschaft, Universität Innsbruck

Die Debatten um eine allgemeine Schrifttheorie, die seit einiger Zeit in unterschiedlichen geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen geführt werden, haben für das Verständnis musikalischer Schrift grundlegende Auswirkungen: Ohne Zweifel stellen musikalische Notationen differenzierte Zeichensysteme dar, aber weder geht musikalische Schrift in einer repräsentierenden Stellvertreterfunktion auf, noch erschöpft sie sich in der bloßen ‚Referentialität‘ eines Kommunikationssystems. Aspekte der Materialität des Notierten, Momente der explorativen und kognitiven Bedeutung des Notierens, Phänomene der Schrift eingeschriebenen Performativität sowie die aisthetische und visuelle Präsenz musikalischer Notate erweisen sich als unverzichtbare Konstitutiva eines adäquaten Begriffs der musikalischen Schrift.

Ein solch erweitertes Verständnis musikalischer Schrift, dem eine produktive Dynamik zwischen Fixierung und Übertragung, zwischen Resultat und Initiator von Handlungen innewohnt, steht im Zentrum der Tagung. In all diesen Zugriffen erweist sich Schrift als Koordinatorin eines tatsächlichen und symbolischen Raums, innerhalb dessen sich „Schreibszenen“ ereignen. Denn obschon das Schreiben auf einer zweidimensionalen Fläche stattfindet, eröffnet es qua Bewegung von Hand und Auge, von Schreibwerkzeug und mentaler Vorgänge einen Schriftraum. Wir laden Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen dazu ein, den Themenkomplex aus musikwissenschaftlicher, schrift- und bildtheoretischer, aufführungspraktischer, philosophischer, medienästhetischer und philologischer Perspektive zu diskutieren. Folgende Themenfelder sollen als Schwerpunkte dienen:

  • musikalische Schrift als intermediales Feld

  • die wechselseitige Korrelation von Schrift, Komposition und Interpretation

  • die Körperlichkeit der Schrift in ihren Werkzeugen, Räumen und Gesten

  • orale, literale und kognitive Prozesse des Schreibens

  • das Verhältnis unterschiedlicher Schreibmodi des Analogen bis Digitalen

  • der operative Status musikalischer Notationen zwischen vorschriftlicher Partitur und nachschriftlicher Transkription

Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Format: Vortrag von 30 Minuten mit anschließender 15-minütiger Diskussion

Abstracts von 250–300 Wörtern sollten als Anhang (word, pdf) bis zum 16. Juni 2019unter Angabe von Name, Institution, E-Mail-Adresse und benötigter Technik an die folgende Adresse geschickt werden: Bernhard.Achhorner -at- uibk.ac.at

Entscheidungen über die Annahme der Beiträge werden voraussichtlich ab September 2019 bekanntgegeben.

Organisation: Federico Celestini (Innsbruck), Bernhard Achhorner (Innsbruck), Sarah Lutz (Innsbruck)

Eine Tagung des ForschungsprojektesWriting Music. Zu einer Theorie der musikalischen Schrift an derUniversität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Universität Innsbruck, Universität Gießen und der Paul Sacher Stiftung, Basel.